Nun ist unser gemeinsames Projekt schon fast ein halbes Jahr alt und das Jahr 2017 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Diesen Zeitpunkt möchte ich nutzen, um Euch einen Rückblick auf mein vergangenes Jahr zu geben und Euch daran teilhaben lassen.

Nach dem Pilgern auf dem Jakobsweg und meiner darauffolgenden Kündigung im letzten Jahr, ist in meinem Leben viel passiert. Auf die ersten zwei ungewissen Monate Januar und Februar, in denen ich noch nicht recht wusste, wie ich zukünftig meinen Lebensunterhalt finanzieren sollte, folgte im März eine Zeit voller positiver Ideen. Darunter auch die solidarische Landwirtschaft. Diese hatte mich zwar schon etwa 2 Jahre zuvor begeistert und dennoch hatte ich mich innerlich von dieser Möglichkeit verabschiedet.

Knackpunkt dieses Projektes war und ist für mich die Vorstellung des Projektes vor einer größeren Anzahl an Menschen. Mein Gefühl, alles alleine bewerkstelligen zu müssen, wurde eines Besseren belehrt. Ich durfte erkennen, dass es Leute gibt die gerne reden, dies auch gerne vor mehreren Menschen tun und für die Idee, Gemüse über eine solidarische Landwirtschaft zu verteilen, brennen. Von diesem Zeitpunkt an ging alles ganz schnell. Wir organisierten alles, um den ersten Infoabend im Juni stattfinden zu lassen.

Es war völlig unklar wie viele Menschen wir mit dieser Idee erreichen würden und so bestuhlten wir den Saal für etwa 80 Leute. Dass dann über 50 Menschen teilnahmen war großartig. Hatte ich noch vor der Bieterrunde gehört, dass ich damit zufrieden sein könne, wenn ich 15 Anteile vergeben würde, war das Budget nach der ersten Bieterrunde gedeckt und alle 25 Anteile vergeben. Ich konnte es kaum glauben. Die Abnahme für mein Gemüse war gesichert. Ein Tag voller Freude ging zu Ende und ich wachte am nächsten Tag mit einem mulmigen Gefühl auf.

Mir wurde bewusst, dass ich jetzt dafür verantwortlich war zu liefern- etwa 45 Menschen wollten nun ab August jede Woche Gemüse mit nach Hause nehmen. Es ist seltsam, was der Kopf dann mit einem veranstaltet, wenn man das bekommt was man sich gewünscht hat. Der größte Zweifel, dass nicht genug für alle da sein könnte, legte sich mit vollen Gemüsekisten bis zum Ende des Septembers. Auch die auf 12 Mitglieder angewachsene Kerngruppe und die Gründung des Vereins, gaben mir ein gutes Gefühl. Im Oktober ging es dann schon um die Planung für das nächste Anbaujahr. Konnte ich noch in diesem Jahr vom Existenzgründungszuschuss profitieren, möchte ich 2018 komplett vom Gemüsebau leben.

Um vom Gemüsebau leben zu können, muss ich mehr Anteile vergeben und benötige eine größere landwirtschaftliche Fläche. Da es zur Zeit in Deutschland ein Grünlandumbruchverbot gibt, welches vorgibt, dass die Grünlandfläche innerhalb Deutschlands nicht weniger werden darf, musste ich mir eine Ausgleichsfläche suchen. Nach vielen Gesprächen mit der Landwirtschaftskammer und dem Oberbergischen Kreis, darf ich nun noch 5.000qm umbrechen und als Gemüsefläche nutzen. Auf dem letzten Kerngruppentreffen vor dem zweiten Infoabend, habe ich erklärt, dass ich maximal 60 Gemüseanteile vergeben werde. Doch gibt es so viel Nachfrage in unserer Region? Der Landschaftstag in Nümbrecht und der Dorfaktionstag in Eiershagen hatten uns Mut gemacht, dieses hochgesteckte Ziel erreichen zu können.

Der erfolgreiche Infoabend im Rathaus Denklingen war mit 80 Personen gut besucht und unser positives Gefühl wurde eindrucksvoll bestätigt. Am 29.11.2017 kam es dann zur großen Bieterrunde. Wie schon im Juli durften wir den Saal voller Freude verlassen. 50 Gemüseanteile bedeuteten, dass ich im nächsten Jahr vom Gemüsebau leben werde. Aber nicht nur das. Ich darf leben, so wie ich es mir gewünscht habe. Ich werde mein bestmöglichstes tun, damit Ihr dies auf Euren Tellern sehen und auf Euren Gaumen schmecken könnt.

Ich möchte mich hiermit ganz herzlich bei UNS allen bedanken!
Tim

4 thoughts on “Tims Jahresrückblick

  1. Lieber Tim,
    ich danke Dir, dass Du gesät und gepflanzt hast, ohne zu wissen für wen. Dieser Mut hat mich sehr beeindruckt und zeigt mir, dass man manchmal eine Sache einfach beginnen sollte, auch wenn man eigentlich denkt, das es nicht funktioniert. Wenn man das tut, was man wirklich tun will, macht man es so gut, dass sich alle Hindernisse überwinden lassen. Daran denke ich fast täglich, wenn ich mein Gemüse schnipple.
    „Nicht weil es schwer ist, tun wir es nicht, sondern weil wir es nicht tun, ist es schwer.“ In diesem Sinne können wir noch vieles tun, um die Welt um uns her so zu verändern, dass wir wieder gerne darin leben. Die Solawi war mit Abstand das Beste, was mir in diesem Jahr begegnet ist.
    Herzliche Grüße, Heike

  2. Lieber Tim,
    Danke für diese wunderschöne Zusammenfassung dessen, was 2017 „passiert“ ist… Ja, genauso, wie Heike es zitiert hat, empfinden wir es: Wir haben es gewagt und viele Türen öffneten sich, wie von alleine und es war abgesehen, vom Bangen und so manchen Schlafmangelsymptomen 😉 auf einmal gar nicht so schwer.
    WIr können es immer noch nicht so ganz begreifen, wie sehr wir wohl den Nerv der Oberberger getroffen haben müssen, wenn wir daran denken, dass wir Ende März 2017 zu dritt gesagt haben: JA, WIR WAGEN DEN ERSTEN SCHRITT! und uns nun (noch nicht einmal 1 Jahr später) umschauen und um uns herum eine ganze Gemeinschaft von Gleichgesinnten wiederfinden. Uns bleibt einfach nur zu sagen: DANKE an ALLE SOLAWISTI – ohne Euch könnten wir diesen Traum heute nicht leben: Frische, regionale Bio-Erzeugnisse direkt vor der Haustür mitzuernten und ein Fundament zu legen, dass dies unsere Kinder auch noch können!
    DANKE!
    Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr und sind gespannt viele Menschen näher kennen zu lernen.

    Marc & Lina

  3. Lieber Tim,

    deine Begeisterung sprüht bei jeder Begegnung mit dir. Die Liebe, die du in das Gemüse steckst, ist auf den Tellern zu schmecken.
    Gemüse, die den Kindern vorher nicht schmeckten, werden nun als „Tim`s Möhren, Kohlrabi, Rote Bete etc. vertilgt 🙂
    Ich freue mich schon auf das kommende Jahr mit dir und deinen Früchten !
    Liebe Grüße, Marc

  4. Lieber Tim,

    es ist schön, dass Du Deine Geschichte hier mit uns teilst. So lernt man Dich noch mal von einer anderen Seite kennen. Man kann den Leuten ja immer nur VOR den Kopf schauen und sieht von aussen nicht, was sie innerlich bewegt. Das mit dem Jakobsweg hatte ich zum Beispiel zwar mal gehört, aber schon wieder vergessen.

    Deine persönliche Schilderung lässt mich das Thema „Blog“ noch mal mit ganz anderen Augen betrachten.

    Toll, was Du geschafft hast und wir gemeinsam noch realisieren werden. Weiter so :-))). Danke an Dich und alle, die es immer wieder möglich machen!

    Liebe Grüße
    Christian

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