Der lange Winter hat auch auf unseren Streuobstwiesen durch Sturm, Frost und Nässe für einiges Chaos gesorgt.So haben wir zum Beispiel vier unserer älteren Apfelbäume in den verschiedenen Stürmen verloren: einen Bohnapfel, einen Doppelter Luxemburger, einen Winterrambur und einen Jakob Lebel. Von diesen Bäumen hatten wir noch im letzten Jahr hunderte Kilo Äpfel ernten können. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als sie schweren Herzens zu roden und zu Brennholz zu verarbeiten. Das aufwändige Roden ist auf landwirtschaftlich genutzten Streuobstwiesen deshalb nötig, damit nicht zusätzlich Baumstümpfe die Traktoren bei ihrer Fahrt über das Gelände behindern. Außerdem können an diesen Stellen dann natürlich auch wieder neue Obstbäume angepflanzt werden.

Diese Pflanzung von neuen Bäumen, die wir fast in jedem Jahr vornehmen, war nun noch wichtiger geworden, denn durch das Heranziehen neuer Baumgenerationen schließen wir Lücken und sichern den Fortbestand der Streuobstwiesen. Deshalb haben wir in den letzten Wochen ein ganzes Dutzend Apfelbäume gepflanzt – wann immer das Wetter es erlaubte, was wegen Bodenfrost oder viel zu nassem Boden nicht oft der Fall war. Zu guter Letzt gab es an einem günstigen Wochenende Ende März eine größere Pflanzaktion, damit auch die letzten Bäume noch schnell vor dem Frühlingsbeginn an ihren neuen Standort gepflanzt werden konnten.

Auch bei der Pflanzung muss auf die landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen geachtet werden, d.h. die Bäume werden zum Schutz gegen die dort weidenden Kühe einzeln eingezäunt. Denn obwohl wir nur Hochstämme pflanzen (die Baumkrone beginnt bei dieser Wuchsform erst in einer Höhe von mindestens 175 cm), so sind die heutigen Milchkuhrassen doch immer noch zu groß für die jungen Bäume und würden diese mühelos erreichen und anfressen. Ein Problem, das auf reinen Obstplantagen selbstverständlich nicht vorkommt, doch gerade die Streuobstwiesen mit ihrer Mehrfachnutzung sind es, die unsere ländliche Gegend prägen und ökologisch verbessern.Sie zählen im Übrigen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen in Mitteleuropa! Also bekommt jeder junge Obstbaum gerne von uns einen eigenen Schutzzaun, der aus vier angespitzten Holzpfählen, vier Stücken Dachlatte, Stacheldraht und Wilddraht besteht. Der Vorrat an Pfählen war in dieser Saison aufgebraucht, so dass wir rund 75neue hergestellt haben: Sowohl für die sofortige Verwendung als auch zur Reserve für Reparaturen, da die Kühe sich gerne stark an den Pfählen scheuern oder sich an sie lehnen, um an die jungen Triebe zu kommen. Dadurch geht der ein oder andere (alte) Pfahl schon einmal kaputt und muss ersetzt werden.

Wir nutzen für die Pfähle Eichen- und Robinienstücke aus unserem Wald, da diese Holzarten zu den Haltbarsten gehören. Die Stücke sind 2,5 Meter lang, wurden mit dem Spaltkeil gerissen, über mehrere Jahre getrocknet und nun auf der Kreissäge an einer Seite angespitzt, so dass sie leichter in die vorbereiteten Löcher neben dem Obstbaum gerammt werden können. Sie bilden das Grundgerüst für den Schutzzaun.

Der separate Wilddraht wird zu einer Rolle von ca. 15 cm Durchmesser geformt und schützt den Stammbereich bis zu einer Höhe von rund 1,5 Metern gegen Wildverbiss. Diesen Draht entfernen wir, bevor der Baumstamm droht, in ihn hineinzuwachsen.

Jetzt hoffen wir, dass die Neuen (Zuccalmaglios Renette, Ontario, Roter Morgenstern, Roter Boskoop, Jakob Lebel, Doppelter Luxemburger und Alkmene)gut anwachsen und in einigen Jahren die ersten Früchte tragen werden.

Die langanhaltend kalten Temperaturen in diesem Winter waren übrigens gut für die eingelagerten Äpfel der letztjährigen Ernte, bzw. deren Kühlung: Das Kühlaggregat musste nicht mehr eingeschaltet werden, da der Anstieg der Temperaturen in der ersten Aprilwoche exakt mit der Auslieferung der allerletzten Äpfel zusammenfiel. Nun ist das Lager leer und freut sich, wie wir, auf das diesjährige Obst. J

Doch zuerst einmal beginnt jetzt die Zeit, in der es, wie jedes Jahr im Frühling, über viele Wochen sehr spannend sein wird, das Wetter, den Bienenflug und das Blühen der Obstblüten zu beobachten – immer in der Hoffnung, dass die Umstände nicht allzu ungünstig sein werden für das Heranwachsen des Obstes. Es wird unsere zweite Ernte sein, die in großen Teilen, sowohl als Streuobst als auch als Weber-Saft aus Lindscheid, an unsere Solawi gehen wird, worüber wir uns sehr freuen!

 

Einen schönen Frühling wünschen euch

Martin und Manuela Thönes mit Familie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Name *